Alle Jahre wieder – Teil 2 – Geschenke selber machen

Kinder machen anderen gerne Geschenke

In vielen Familien ist es üblich, dass auch die Kinder zu Weihnachten anderen Familienmitgliedern Geschenke machen. Das Schenken zu Weihnachten ist ein Ritual, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Auch die Kinder sollten daran aktiv teilhaben dürfen. Auf was bei Geschenken geachtet werden soll findest du indiesem Blogeintrag.
Kinder schenken sehr gerne, denn sie lieben es, Anderen eine Freude zu machen.
Dabei sollte der Fokus nicht nur auf dem Schenken, sondern auch auf dem Entstehen des Geschenkes liegen, da die Kinder dabei erfahren: das habe ich selbst gemacht und damit mache ich z.B. der Oma eine Freude. Sie platzen dann oft vor Stolz und können es kaum abwarten, bis ihre Geschenke ausgepackt werden.
Bei uns entsteht da immer eine richtige Weihnachtswerkstatt und es ist ein festes Ritual geworden, das kaum wegzudenken ist. Wie fleißige kleine Weihnachtselfen sitzen sie am Tisch und gestalten hoch konzentriert ihre Geschenke.

Was können Kinder verschenken?

Alles was sie selbst gestaltet, sich überlegt und ausgesucht haben, all das können sie verschenken.
Für ein Kind ist es sehr wichtig, beim Verschenken selbst aktiv zu sein und sich als selbstwirksam zu erfahren. Weitere Inputs zum Thema Selbstwirksamkeit kannst du hier nachlesen.
Es muss nicht ausschließlich etwas Gebasteltes sein. Es kann auch mal vorkommen, dass ein Kind etwas im Geschäft sieht und dann direkt an den Menschen denkt und es deshalb gerne als Geschenk kaufen möchte. Allerdings sollte das eher die Ausnahme als die Regel sein. Die Selbstwirksamkeit des Kindes ist bei selbst Gestaltetem natürlich sehr viel höher, als bei einem gekauften Geschenk im Laden.

Mama, das habe ich ganz alleine für dich gemacht

Keinen positiven Lerneffekt für das Kind hat es, wenn es überhaupt nicht aktiv in das was es verschenken soll, einbezogen wird. Kauft man z.B. eine Tasse im Geschäft für die Oma, wahrscheinlich sogar noch ohne das Beisein des Kindes und übergibt dann dem Kind das Geschenk mit den Worten hier das kannst du Oma schenken, hat das Kind überhaupt kein Bezug zu dieser Tasse und zum Schenken auch nicht. Selbstwirksamkeit sieht anders aus, und das was eigentlich durch das Schenken vermittelt werden soll, dem anderen eine Freude bereiten, kommt bei dem Kind auch nicht an. Stolz auf das was es da extra für die Oma gemacht/ ausgesucht hat, kann es auch nicht sein, denn es war ja überhaupt nicht aktiv beteiligt. Viel besser ist es, wenn das Kind eigenständig und mit so wenig Hilfe wie möglich seine Geschenke entstehen lassen kann. Aber oft ist der eigene Anspruch, den man als Mutter an das Endprodukt hat, ziemlich hoch. Oft sogar so hoch, dass es schwerfällt, das Kind alleine machen zu lassen. Denn dann sieht es halt meist etwas anders aus als erwartet.
Oft habe ich schon erlebt, das Sachen von Kindern verschenkt werden, wo ich mich gefragt habe, was genau das Kind denn da selbst gemacht hat. So akkurat und komplex, kann es kaum von Kinderhänden entstanden sein.  Für mich sind die tollsten Geschenke von meinen Kindern die Sachen, die sie ganz allein entstehen lassen. Womöglich sogar so, dass ich nicht mal etwas davon bemerkt habe. Vielleicht sind sie krumm und schief, voller Kleber oder tropfend mit Farbe.  Aber dafür Übergeben mit strahlenden Augen und den Worten: Das habe ich ganz allein für dich gemacht. Dann weiß ich genau, es ist mit viel Liebe, Fleiß und selbständig entstanden.

10 Geschenketipps, die von Kindern selbstwirksam gestaltet werden können

1. Bild in Bild auf Leinwand

Das ist besonders gut für kleine Kinder geeignet. Die Kleinen können nach Belieben mit ihren Fingern und Fingerfarbe malen. Schon die Kleinsten mögen es, Spuren zu hinterlassen.
Das Gemalte an sich ist schon ein sehr schönes Geschenk, aber man kann sogar noch ein Bild im Bild entstehen lassen. 

Das wird benötigt:

-Fingerfarbe
-Kreppband
-Keilrahmen, Bilderrahmen oder Karton

So funktioniert‘s:

Ein Herz, Stern, Tannenbaum, einen Namen Mama, Papa, Oma, Opa, usw. (der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt) 😊 auf ein Papier malen und Ausschneiden. Danach sorgfältig mit Kreppband oder ähnlichem auf dem Rahmen befestigen. Nun kann das Kind mit Fingerfarbe seine Kreativität auf dem Rahmen ausleben. Danach trocknen lassen und die aufgeklebte Schablone entfernen.

2. Zapfenanhänger

Bei einem Winterspaziergang können die Kinder Tannenzapfen sammeln, die sich dann in tollen Baumschmuck verwandeln lassen.

Das wird benötigt:

-Schuhkarton
-Kleister
-Streuglitzer
-Tannenzapfen
-Bändel zum Aufhängen

So funktioniert‘s:

Etwas Kleister anrühren und in den Schuhkarton füllen. Glitzer dazu geben und den Tannenzapfen reinlegen. Nun den Karton schütteln bis das Glitzer schön auf dem Zapfen verteilt ist. Trocknen lassen und danach die Schnur befestigen.

3. Plätzchen

Auch zum Verschenken ist es super geeignet mit den Kindern zu backen. Erfahrungsgemäß können sie bei den klassischen Butterplätzchen ab ca. 2 Jahren schon sehr selbstwirksam tätig werden. (Ausrollen, Ausstechen, auf das Backblech legen, Streusel drauf usw.) Wenn die Plätzchen fertig sind, können sie in ein Tütchen gefüllt und mit einem hübschen Bändchen versehen verschenkt werden. Nach Wunsch können in der Weihnachstwerkstatt auch noch Anhänger für die Tütchen entstehen.

4. Hand /Fußabdruck

Hand und Fußabdrücke sind super und auch schon für kleinere Kinder geeignet. So lassen sich ganz verschiedene Geschenke erstellen. Weihnachtskarten, Bilderrahmen, richtige Kunstwerke und vieles mehr können daraus entstehen. Gerade ältere Kinder haben da von sich aus super gute Ideen. So ist bei uns z.B. ein wunderschöner Schmetterling für die Oma entstanden. Allerdings ist es schnell erledigt mit den Handabdrücken und kleine Kinder können kaum etwas alleine machen. Super ist es, wenn sie dann mit den bemalten Händen noch ihr eigenes Kunstwerk zum Verschenken herstellen können. 

Das wird benötigt:

-Fingerfarbe und Pinsel
-Je nachdem wo der Aufdruck drauf soll, Bilderrahmen, Papier usw.

5. Musterblatt, auf dem viele Geschenke gestaltet werden können

Das Musterblatt eignet sich schon für die Kleinsten ab ungefähr 8 Monaten, wenn nicht sogar schon früher.
Auf einem großen Karton entsteht ein buntes Kunstwerk, das dann zu ganz verschiedenen Geschenken weiterverarbeitet werden kann. Auch geeignet, wenn sehr viele Geschenke verschenkt werden sollen, da es sehr schnell geht und viel Freude macht.

Das wird benötigt:

-Großer Tonkarton
-Fingerfarbe
-eventuell ein kleines Auto
-Stifte bei Bedarf

So funktioniert‘s:

Auf dem großen Karton lassen die Kinder ein buntes Muster entstehen.
Es gibt da unendlich viele Möglichkeiten. Mit Fingerfarbe und Fingern darauf malen, mit dem Finger tupfen, mit dem Auto durch einen Teller Farbe fahren und dann über den Karton (sehr beliebt bei meinen Jungs), mit Stiften malen usw.
Das entstandene Musterpapier trocknen lassen und danach nach Wunsch weiter verarbeiten
-Anhänger
-Weihnachtskarten
-Sterne
-Lesezeichen
-Bilderrahmen ….
Bei uns sind aus dem Musterpapier schon Tannenbäume entstanden. Die Fingertupfen wurden zu Kugeln.

6. Bilderrahmen von IKEA

Ein wirklich tolles und vielseitig gestaltbares Geschenk, das wir schon oft verschenkt haben.
Man kann den Bilderrahmen auf einer Seite z.B. mit einem Foto des Kindes füllen und auf der anderen Seite mit einem Handabdruck, einem gemaltem Bild, oder wie oben schon erwähnt, mit einem Stück von dem Musterblatt füllen.

Das wird benötigt:

Ikea Bilderrahmen
-Musterblatt gemaltes Bild oder Hand/Fußabdruck usw.

So funktioniert‘s:

Die Scheibe vom Bilderrahmen auf das legen, was in den Rahmen soll, abmalen, zuschneiden, einschieben, fertig 😊

7. Schlüsselanhänger aus Schrumpffolie

Mit Schrumpffolie kann man wie der Name schon verrät, Dinge schrumpfen. So kann aus einem Handabdruck oder einem gemalten Bild ein kleiner Schlüsselanhänger werden. Das gestalten des Werkes, das sich dann in einen Schlüsselanhänger verwandelt, kann das Kind selbst aktiv übernehmen. Das Verarbeiten danach allerdings muss ein Erwachsener übernehmen.
Weitere Infos zur Schrumpffolie gibt es hier.

8. Teelichthalter aus Babygläschen

Lichter passen sehr gut in die Weihnachtszeit und Kinder kleben und kleistern besonders gerne.

Das wird benötigt:

-Leere Baby- oder Pestogläser oder ähnliches
-Transparentpapier
-Kleister
-Teelicht
-eventuell ein Pinsel

So funktioniert‘s:

Kleister anrühren, Transparentpapier in kleine Stücke reißen und dann mit dem Kleister die Papierstücke auf dem Glas verteilen. Mit den Händen oder mit einem Pinsel. Mit den Händen ist die Sinneserfahrung deutlich höher. Nach dem Trocknen das Teelicht reinlegen.
Kinder unter 3 Jahren können sehr gut die Papierstücke auf das Glas kleben allerdings fällt es ihnen oft noch schwer, das Papier zu reißen. Da ist es sinnvoll, dem Kind die schon gerissenen Stücke in einer Schale bereit zu stellen.

9. Windlicht

Eine tolle Möglichkeit, gemalte Bilder in ein tolles Geschenk zu verwandeln. So kommen auch schon die ersten Kritzel-Versuche richtig schön zur Geltung und werden verewigt. Auch gut geeignet für Hand- und Fußabdrücke. Das Windlicht lässt sich auch gut von 2 Geschwistern gemeinsam verschenken, da jeder eine Seite des Windlichtes gestalten kann.

Das wird benötigt:

-Papier
-Laminiergerät
-Laminierfolie
-Stifte
-Locher oder Lochzange
-Geschenkbändel
-Leeres Babyglas oder Pestoglas
-Teelicht

So funktioniert‘s:

Entweder im Vorfeld das Papier in die Gewünschte Größe bringen oder nach dem Gestalten zuschneiden. Ich nehme immer die Größe einer Serviette als Vorlage.
Für 1 Windlicht 2 Papiere von den Kindern gestalten lassen danach Laminieren. Jeweils an 2 gegenüberliegenden Seiten Löcher von oben nach unten rein machen und dann die beiden Hälften mit den Geschenkbändeln durch die Löcher gefädelt verbinden. Glas reinstecken und ein Teelicht hineinstellen.

10. Anhänger aus Salzteig

Eine Erinnerung aus meiner Kindheit, vielleicht der Grund warum auch meine Kinder sehr gerne mit Salzteig arbeiten und das nicht nur zu Weihnachten 😊

Das wird benötigt:

Für den Teig:
-2 Tassen Mehl
-1 Tasse kaltes Wasser
-1 Tasse Salz
-1 Tl Öl

-Nudelholz
-Plätzchenförmchen
-Strohhalm oder Stäbchen
-Backblech, Backpapier, Backofen
-Acrylfarbe oder ähnliches
-Pinsel
-Schnur zum Aufhängen
-Schere

So funktioniert‘s:

Alle Backzutaten zu einem Teig vermischen und ausrollen. Formen ausstechen und mit dem Stäbchen ein Loch hinein stechen. 1 Tag auf dem Backblech durchtrocknen lassen und dann im Backofen 2 Stunden bei 80 Grad (Ober/Unterhitze) backen.

Nach dem Abkühlen können sie nach belieben bemalt werden. Noch ein Bändchen zum aufhängen durch das Loch ziehen und fertig ist der Salzteig-Anhänger.

Tipps und Tricks, die das Chaos in Grenzen halten und es für alle ein positives Erlebnis wird

Oh ja es kann ganz schön anstrengend und schmutzig sein, wenn man die Kinder selbst ans Werk lässt, dass weiß ich aus eigener Erfahrung. „Nein, Nicht, Achtung, Pass Auf, Langsam, nicht zu viel“! Alles Worte, die ich häufiger angespannt daneben sitzend, von mir gegeben habe. Aber je mehr mir bewusst wurde, wie wichtig es ist die Kinder auch mal machen zu lassen, um so entspannter wurde unsere Weihnachstwerkstatt für alle. Kleine Veränderungen haben dazu beigetragen, dass ich viel weniger eingreifen musste und die Kinder voll und ganz ungestört ins Tun übergehen konnten.
Natürlich bedarf es etwas an Planung, damit kein riesiges Chaos entsteht. Mit ein paar Vorbereitungen lässt sich das Ganze in einem erträglichen Rahmen halten und die Kinder müssen dann nicht ständig aus ihrem Schaffensdrang gerissen werden.

Vorbereitung ist alles

Ein Großer frei geräumter Tisch dient super als Weihnachtswerkstatt. Um ihn vor neuem farblichem Muster zu schützen, ist es sinnvoll eine Wachstischdecke oder ähnliches darauf zu legen. Diese kann super abgewaschen werden. Wichtig ist es, die Tischdecke dann aber am Tisch gut zu befestigen, damit sie nicht verrutschen kann.
Alles was die Kinder brauchen, sollte in greifbarer Nähe hingerichtet werden, wie auch ein Lappen und ein kleiner Eimer mit Wasser, falls mal etwas daneben geht.
Wenn mit viel Farbe gearbeitet werden soll, ist es oft auch von Vorteil den Boden unter und um den Tisch vor Farbklecksen zu schützen. Da eignet sich hervorragend Malervlies oder ähnliches.
Bei Stühlen mit Polstern am besten ein großes Handtuch darüberlegen.

„Arbeitskleidung“

Malerkittel oder alte Kleidung, die schmutzig werden darf, sorgen dafür, dass es keinen Ärger gibt, falls mal etwas auf die Kleidung des Kindes geht. Ein altes Hemd von Papa z.B. eignet sich sehr gut als Malerkittel.

Zeit nehmen

Damit man nicht in Stress gerät, weil man noch so viel anderes im Kopf hat oder vielleicht längst wo anders sein müsste, ist es hilfreich, nur dann mit den Kindern das gestalten von Geschenken zu beginnen, wenn es die Zeit auch wirklich zulässt. Kinder, die voll ins Tun übergehen, vergessen oft Zeit und Raum und brauchen einiges an Zeit, bis sie wieder zum Ende kommen.
Dass die Kinder selbständig aktiv werden und eigenständig die Geschenke für z.B. Oma, Opa, Tante, Onkel usw. gestalten, heißt nicht, dass sie keine Aufmerksamkeit benötigen. Je kleiner die Kinder, desto mehr Präsenz der Mutter/des Vaters brauchen sie dabei. 

Zurück nehmen

Damit das Kind sich aber als selbstwirksam erfahren kann, sollte sich die Präsenz mehr auf das aufmerksame Beobachten, anstatt auf das aktive Eingreifen beschränken. Das hört sich einfacher an, als es tatsächlich ist. Es fällt mir manchmal schwer, mich zurück zu halten und nicht vorschnell einzugreifen. Innerlich kribbelt es dann oft richtig in den Fingern und ich muss mir immer wieder sagen, wie wichtig es ist, dass sie ihre eigenen Erfahrungen sammeln. Nur so lernen sie mit allen Sinnen, selbst aktiv und fürs ganze Leben.
Man kann ihnen noch so oft sagen, wenn du das so oder so machst, dann passiert das oder das, aber nur wenn sie Dinge selbständig erfahren, haben sie es wirklich gelernt und werden es in Zukunft von sich aus tun. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, sich zurückzunehmen wird belohnt, denn es wird deutlich entspannter 😊 Welches Kind lässt sich schon gerne helfen, wenn es gerade im Schaffensdrang ist. Oft entstehen dann sowieso eher Wutszenen vom Feinsten und das Geschenk wird überhaupt nicht mehr fertig oder die Mama sitzt dann alleine dran während der Künstler im Kinderzimmer bockt. Das ging mir zumindest schon mal so.

 

Ich wünsche euch eine tolle Adventszeit und falls es bei euch auch eine Weihnachstwerkstatt gibt 😉, viel Spaß eure Kinder dabei zu beobachten, wie sie selbständig und selbstwirksam ihre Geschenke gestalten.
Kinder gestalten so nicht nur ein wunderschönes Geschenk für ihre Liebsten, sondern ein großes für sich selbst. Das Geschenk an sich zu glauben und zu erfahren: „ich schaff das, ich kann das, ich hab das ganz alleine gemacht“. Das ist eine elementare Grunderfahrung für die Entwicklung eines positiven Selbstbildes.